Die Matumau Lodge findet nur, wer gebucht hat und erwartet wird. Dies ist erstaunlich. Das Gasthaus befindet sich nähmlich genau drei Gehminuten vom Flughafen Mulu entfernt und ist lediglich von einem einzigen grossen Busch verdeckt.
Wir sind angekommen im Regenwald und hier ist die Optik etwas anders.
Schreitet man auf einem schmalen Holzsteg durch ob genannten Busch, dann eröffnet sich der Blick auf einen Obstgarten. Rambutan, Mango, Kokos, Sago, Mangostin, Bananen und uns viel Unbekanntes aber Essbares ist angepflanzt und am wachsen. Ein Haus aus Holz mit einer grossen Veranda steht auf Pfählen. Über die breite Treppe gehts bequem hinein. Durch die Tür getreten, erreicht man das Herz des Hauses. Eine Bibliothek, bequeme Sessel, eine Informationstheke, zwei grosse Esstische und eine moderen Küche und dies alles auf einer Fläche von mehr als 200 Quadratmetern. Riesig und sehr einfach.
Die acht Gästezimmer befinden sich in einem quadratischen Anbau rund um einen kleinen Innenhof. Alle einfach aber schön. WC und Dousche grosszügig angelegt. Nur, wer douscht, der nimmt dem Haus den ganzen Strom weg. Also, wenn ich gemütlich am Essen oder Lesen bin und irgend jemand douscht, dann wird es dunkel.... oder umgekehrt. Hinter dem Haus fliesst der Fluss.
Ich habe gelernt, dass im Fluss gebadet und gewaschen wird. Also mache ich es wie die hiesigen Leute. Ich wickle mich züchtig in einen Sarong und nehme meine Seife und meine dreckige Wäsche mit. Zuerst wate ich ins kühle Nass und wasche mich gründlich unter meinem Sarong, dann stehe ich knietief im Wasser und wasche die Kleider, dann wir alles im klaren Wasser gespült. Zum Schluss gilt es, den nassen Sarong diskret mit einem trocken auszutauschen. Et voi la. Wäsche und Eva sauber.
In der Lodge werden wir verwöhnt. Gebratenes Farnkraut (oder mit Knoblauch gedünstet), wilder Reis, Früchte aus dem Garten und Eierspeisen. Alles frisch. Die Bibliothek ist klein, aber sehr fein. Alles, was es zu Wissen gibt über Sarawak gestern, heute und morgen ist da.
Bruno Manser, der Basler Umweltaktivist, der sein Leben dem Schutz der Regenwälder Borneos verschrieben hat, ist für seine Mission vor einigen Jahren hier in der Gegend verschollen. Wir sind vertraut mit seinen Aufsehen erregenden Protesten, welche nicht nur Menschen in der Schweiz, sondern Europaweit sensibilisiert haben gegen den Raubbau, der hier Mensch, Tier und Wald vernichtet für den Profit einiger weniger... (Politiker, Businessmen, Clans, oder Companies?). In der Bibliothek findet sich alles umd mehr zum Thema. Bruno ist im Hause sehr präsent.
Fortschritt ist ebenso unumgänglich wie der Tod. Die Frage stellt sich nur um die Qualität.
Hier im Regenwald (dem traurigen Resten) stellt sich die Frage ob die Kinder hungern, weil der Wald vernichtet wird, oder weil sich die Eltern dem Fortschritt nicht stellen mochten.
Ein Vater erzählte, dass er jahrelang mit dem Kopf an eine Mauer geschlagen hat (protestiert), bis er wegen seinen Kindern nicht mehr konnte. Der Wald wurde uns genommen und nun müssen wir weiterleben. Solidarität war selbstverständlich, bis die Kleinen da waren. Und dann sah ich, dass ich nicht für meine Vergangenheit, sondern für die unmittelbare Zukunft meiner Kinder kämpfen muss. Es ist nicht an mir die Welt zu retten. Wir Menschen des Waldes können nicht umgehen mit Gewalt.
Das schlechte Gewissen versagt zu haben im Kampf für den Wald verzehrt und verzerrt. Es lähmt. Ein von der Regierung neu gebautes Langhaus bietet ausser einem Regenschutz nichts. Wo ist Bruno?
Der Besuch des Nationalparkes hat uns gut getan. Die Matumau Lodge ist perfekt für einen „chill out“. Gemütliche Spaziergänge und Bootsausfüge (die Boote sehen aus wie Weidlinge auf dem Rhein), das Beobachten des Lebens am Fluss, das Bestaunen der Baumriesen des Regenwaldes war nach unserem Gusto. Wir sehen zu wie mehr als eine Million Fledermäuse bei Sonnenuntergang aus den gigantischen Tropfsteinhöhlen fliegen. Wie schwarze spiralförmige Wolken (erinnert an die Papstwahl). Darüber kreisen Falken, die sich nun ihr Abendessen holen. Kaum umschliesst Dunkelheit den Wald, da beginnt ein orbetäubendes Konzert. Dass der Dschungel bei Nacht so laut ist, hätte ich mir nie vorstellen können. Frösche, Nachtvögel, Grillen (oder ähnlich) und kleine Säugetiere, quacken, quitschen, rapsen, japsen, schmettern, heulen, trommeln, pfeiffen und brüllen. Concerto grosso molto furioso.
Sehr empfehlenswert:
www.thematumau.com



